Ultras Hannover, Sektion Gaza

Drei Bilder, die eine deutliche Sprache sprechen. Zwischen den ersten beiden und dem letzten liegt ein Zeitraum von fast sechs Jahren. Entstanden sind diese Motive in irgendwelchen Blitzbirnen, die sich in Kreisen der Ultras aus Hannover aufhalten. Es bedarf nicht einmal der von Antisemit*innen vielzitierten „Antisemitismus-Keule“ (auch wenn sich diese im Gesicht der Ersteller*innen wohlfühlen würde), um dieses Handeln eindeutig zu benennen.

Das aktuellste der drei Bilder ist vor gut einer Woche in Magdeburg gemacht worden, als die Amateure von Hannover 96 dort gastierten. Die H-Amas, gesprochen Hamas, wie sie bereits seit mehreren Jahren liebevoll von ihren Fans genannt werden. Wer, wie hier bei den Hannover-Fans durch eine Zaunfahne im Fanblock geschehen, einen positiven Bezug zu einer islamfaschistischen Terrororganisation herstellt, hat nicht mehr alle Latten am Zaun.

Anfänglich wurde der offensichtliche Antisemitismus abgestritten – bis hin zu Versuchen, das eigene Tun als Provokation Jugendlicher, die „Grenzen austesten“ wollen, zu bewerten. Ein paar Stimmen aus dem Umfeld der Ultras aus Hannover distanzierten sich schon vor Jahren auf halbherzige Art und Weise. Erwartungsgemäß ohne Wirkung.

Festzuhalten bleibt, dass sowas weder eine Lapalie, noch durch irgendwas zu relativieren ist. Ausmaße wie bei Legia Warschau sind zwar noch nicht erreicht, aber ideologisch steht man offensichtlich so nah beieinander, dass man sich fast gegenseitig auf die Füße tritt.

Antisemitismus ist immer noch gesellschaftsfähig und somit auch im Mikrokosmos Fußballstadion präsent, das ist keine neue Feststellung. Diesen öffentlich zu machen, wenn er in Erscheinung tritt, ist notwendig. Wenn dann sogar über einen längeren Zeitraum so unverhohlen zur Schau gestellt wird, dass man Jüd*innen hasst, muss das Kind erst recht beim Namen genannt werden.
Ich bin eher selten ein Freund von Sanktionen, aber wenn Mechanismen wie Einlasskontrollen oder (im besten Falle) Selbstregulierung nicht funktionieren, darf auch gerne mal von höherer Stelle durchgegriffen werden.

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20 Antworten auf „Ultras Hannover, Sektion Gaza“


  1. 1 arne 19. Dezember 2011 um 4:14 Uhr

    Die beiden Sticker gehen gar nicht, aber die H-Amas-Fahne ist halt ein Wortspiel, ein Witz. Oder siehst du bei Elbkaida auch einen positiven Bezug auf eine islamistische Terrorgruppe?

  2. 2 Schmul Schubiak 19. Dezember 2011 um 12:08 Uhr

    Ja, das sehe ich auch bei Elbkaida. Das ist nun auch nicht sonderlich schwer.

    Zu „ein Wortspiel, ein Witz“. Riesengag, wirklich. Nochmal: Sich auf eine Organisation zu berufen, die sich auf die Fahne geschrieben hat, Israel und somit die dort lebenden Menschen zu eliminieren, geht gar nicht und ist auch keine Bagatelle.

  3. 3 Bonde 19. Dezember 2011 um 14:22 Uhr

    Die Links im Text sind nicht so richtig gut zu erkennen. Würde ich mal die Farbe ändern. Geil.

  4. 4 Kim Jong il 19. Dezember 2011 um 14:34 Uhr

    Das hat bei uns Tradition. Nicht umsonst werden schwarz-weiß-grüne fahnen mit rot kombiniert. Ansonsten natürlich fein was zurecht konstruiert und in Stein gemeißelt.

  5. 5 marco bode 19. Dezember 2011 um 14:59 Uhr

    @kim jong il: ich würde auch lieber mit dem strom schwimmen als anzuecken ;)

  6. 6 Kim Jong Un 19. Dezember 2011 um 15:04 Uhr
  7. 7 arne 19. Dezember 2011 um 17:12 Uhr

    Mag ja sein, dass du das Wortspiel nicht witzig findest, aber dieser Alarmismus führt doch zu nichts. Was spricht denn außer zwei schlechten Stencils, die deiner Angabe nach ja auch schon sechs Jahre alt sind (ich dachte, da gab’s IY noch gar nicht, aber als Bremer/in wirst du das besser wissen) und über die sicher nicht im Gruppenplenum abgestimmt wurde, noch dafür, dass UH „Jüd*innen hasst“? Und wie zeigen sich die positiven Bezüge auf das antisemitische Programm der Hamas sonst so?
    Elbkaida, Frankfurts Osama-Doppelhalter, Zwickau mit „Duden, Jena!“-Tapete, alles Antisemiten oder was? Und fahnenstange sieht dann gleich antisemitische Zustände in ganz Hannover und gründet eine Gruppo-Anti-NDS (wobei unklar bleibt, was Wolfsburg oder Braunschweig jetzt damit zu tun haben, von Oldenburg oder Göttingen mal ganz zu schweigen). Das kann doch keine/r mehr ernst nehmen, wie hier wieder aufgebauscht und eigene Befindlichkeiten als Verteidigung Israels ausgegeben werden.

  8. 8 Schmul Schubiak 19. Dezember 2011 um 20:21 Uhr

    Lieber Arne,

    es geht in erster Linie weder um Alarmismus, eigene Befindlichkeiten oder die Verteidigung Israels.

    Das solche Vorwürfe kommen, habe ich erwartet. Denn wer Antisemitismus als solchen kennzeichnet, ist schnell mit derlei Dingen konfrontiert. Antisemit*innen wissen manchmal nicht, dass sie so denken und handeln wie es eben Antisemit*innen tun. Oder sie wollen es nicht wissen und reagieren dann mit einer Abwehrhaltung, die sich nicht selten in den oben genannten Symptomen ausdrückt. Und sollte es Leute geben, denen nicht bewusst ist, dass sie antisemitisch denken/handeln, gehört es ordentlich auf’s Brot geschmiert. Guten Morgen.

    Zu den anderen Vereinen: Ein Osama-Doppelhalter beispielsweise ist nicht per se antisemitisch. Sich aber – und an dieser Stelle wirklich das letzte Mal – auf irgendwelche Massenmörder*innen zu beziehen ist scheiße. Und wenn es, wie in diesem Fall, eine „Hamas“-Zaunfahne ist, die auch optisch eine eindeutige Verbindung herstellt, dann ist die Sache klar wie Kloßbrühe. Oder wollen die UH mit der Zaunfahne dagegen protestieren, dass sich mal wieder jemand im Jungfrauen-Rausch in einem Einkaufszentrum in die Luft gejagt hat? Stellungen der Hamas bewusst neben Krankenhäusern bezogen werden? Oder dagegen, dass das Leben von jemandem beendet wurde aufgrund der „falschen“ Partner*innenwahl? Bestimmt nicht.

    Was andere Blogger*innen schreiben liegt nicht in meinem Einflussbereich.

    Beste Grüße.

  9. 9 arne 19. Dezember 2011 um 23:54 Uhr

    Es geht nicht um die Verteidigung Israels? Oben hast du doch noch geschrieben, „sich auf eine Organisation zu berufen, die sich auf die Fahne geschrieben hat, Israel und somit die dort lebenden Menschen zu eliminieren, geht gar nicht“.

    „Oder wollen die UH mit der Zaunfahne dagegen protestieren, dass sich mal wieder jemand im Jungfrauen-Rausch in einem Einkaufszentrum in die Luft gejagt hat? Stellungen der Hamas bewusst neben Krankenhäusern bezogen werden? Oder dagegen, dass das Leben von jemandem beendet wurde aufgrund der „falschen“ Partner*innenwahl? Bestimmt nicht.“ Natürlich nicht. Die Frage ist doch, wollen sie mit diesem Banner dafür Stellung beziehen oder ist da einfach jemand aufgefallen, dass H-Amas sich eben wie Hamas liest und er hat als Gag dieses Banner gemalt. Der Knackpunkt ist eben, ob sich die UH allein durch das Zeigen dieses Banners die politischen Standpunkte der Hamas zu eigen machen. Ich bezweifle das, du siehst es so und meinst offenbar auch, mir auf dieser Grundlage antisemitische Einstellungen unterstellen zu können. Dass du dich selber ganz schnell in der Opferrolle siehst („wer Antisemitismus als solchen kennzeichnet, ist schnell mit derlei Dingen konfrontiert“), bestätigt mir wiederum meinen Eindruck, dass hier persönliche Befindlichkeiten eine Rolle spielen. Der einsame Kämpfer gegen die breite antisemitische Front ist ja spätestens seit Wertmüllers legendärem G8-Interview eine beliebte Figur.

    However, die Diskussion führt an dieser Stelle wohl nicht weiter, also lassen wir das. Beste Grüße zurück.

  10. 10 Schmul Schubiak 20. Dezember 2011 um 11:46 Uhr

    @Arne: Einer muss noch, denn is‘ auch wirklich Schluss.

    Wie ich geschrieben hab, „es geht IN ERSTER LINIE weder um Alarmismus, eigene Befindlichkeiten oder die Verteidigung Israels“. Dass man beim Thema Antisemitismus über lang oder kurz zum Staat Israel gelangt, also dem Schutzraum für von Antisemit*innen verfolgte Menschen, ist nun nicht verwunderlich.

    Hier geht es aber primär um antisemitische Auswüchse und darum, sie öffentlich zu machen und zu kritisieren. Ob es nun Hannover, Dresden oder Erfurt ist. Wobei die Beispiele 2 und 3 Beachtung gefunden haben, die Geschehnisse in Hannover aber fast unter den Tisch gefallen sind.
    An diesem Punkt vielleicht nochmal, dass das nicht die einzigen Vorfälle waren – ich werde aber ’nen Teufel tun, diese ohne Grundlage, wie beispielsweise Fotos, zu benennen.

    Inwiefern sich die UH „die politischen Standpunkte der Hamas zu eigen machen“ weiß ich nicht, ich glaub sogar, dass einige in dieser Gruppe nicht mal wissen, was „Hamas“ genau ist. Dem großen Teil dürfte das aber bekannt sein, wenn auch nicht jeder Punkt ihrer Charta. Wenn eine solche Fahne von Leuten gemalt, aufgehängt und die Begrifflichkeit benutzt wird, ohne sie in diesem Zusammenhang kritisieren zu wollen, dann wird zumindest verharmlost – bis hin zur Toleranz und Zustimmung zu dem, was diese Terrororganisation macht, bekundet.

    Ich habe dir übrigens keine antisemitische Einstellung unterstellt. Du bagatellisierst aber das Handeln der UH. Und inwiefern das schon antisemitisch ist, dazu gibt es sicherlich verschiedene Sichtweisen.

    Und die Feststellung, dass ich mich aufgrund reflexartigen Handelns anderer „in eine Opferrolle“ begebe, finde ich höchstinteressant. Und albern. Aber ‚n büschen Polemik muss scheinbar sein.

  11. 11 Fahnenstange 21. Dezember 2011 um 0:35 Uhr

    Arne, Israel hast glaube ich erst du ins Spiel gebracht… in dem Text geht es im Vordergrund um Antisemitismus. Diese vermeintlich „lustigen“ Fahnen sind besonders lustig, wenn die sogenannte „Elbkaida“ emanzipatorische Gruppen aus dem Block wirft und eine Gruppe wie Ultras Hannover „Polacken Lümmel“ Spruchbänder gegen CB zeigt. Alles furchtbar lustig. Irgendwo hört der Spaß auf und äussert sich dann im offenen Rassismus/Antisemitismus, da er bewusst als Mittel der Beleidigung und Herabwürdigung verstanden wird.

    Zu „Gruppo Anti Niedersachsen“ sei gesagt, dass alle drei großen Niedersächsischen Szenen uncool sind… wobei Osnabrück ja scheinbar auf dem Weg der Besserung ist; laut Kurvenflyer werden Gästeszenen nicht mehr als „Asylanten“ betitelt.

  12. 12 Schmul Schubiak 21. Dezember 2011 um 2:23 Uhr

    Editiert.

    Ein netter Mensch hat mir noch folgendes Bild zukommen lassen:
    http://imageshack.us/photo/my-images/32/hamasschal.jpg/

    Bedankt.

  13. 13 tutnixzursache 22. Dezember 2011 um 18:11 Uhr

    @Fahnenstange

    Das angesprochene Spruchband entstand bestimmt aus faschistischen Ideologien der Gruppe heraus und weniger aus Provokation. Und ja, ich weiss, provozieren mit faschistischen/antisemitischen Aüßerungen ist soooo 90er…

  14. 14 @tutnixzursachee 23. Dezember 2011 um 10:54 Uhr

    ne dat is voll deutschland 98 eh. ;0)
    „ultras“ weg vom pc!

  15. 15 schreibenfuerdiewelt 25. Dezember 2011 um 19:45 Uhr

    Stimmt, is doch alles nur Provokation, warum wird sich eigentlich aufgeregt? Genau wie das hier: http://s14.directupload.net/images/110930/ur5h2n8y.jpg Oder das hier: http://nurenergie.de/fotos10-11/auecb/auecb17.JPG
    Und wie ist das mit Judenwitzen? Wird man doch wohl noch sagen dürfen. Humor bedarf schlließlich keiner Rechtfertigung. Oder ist es doch ernst gemeint? Wer kann das schon wissen? In jedem Fall ist Kritik mehr als angebracht.

  16. 16 arno nühm 27. Dezember 2011 um 13:51 Uhr

    Und ich dachte immer, Fußball ist Fußball und Politik bleibt Politik!?

  17. 17 mille 18. Januar 2012 um 17:33 Uhr

    wart ihr in rostock,falls ja.wo ist der bericht? :0)

    grusz aus´m viertel

  18. 18 revonnah 16. Mai 2012 um 13:39 Uhr

    Anhand dreier Sticker auf die Gesinnung einer gesamten (!) Fangruppe zu schließen zeugt von absoluter lächerlichkeit.

  1. 1 Free Gaza from UH | ende der fahnenstange Pingback am 19. Dezember 2011 um 15:05 Uhr
  2. 2 Ultras Hannover, Sektion Gaza « URS – Ultras Roter Stern Pingback am 19. Dezember 2011 um 20:05 Uhr
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