Beiträge von turi

F’95- Dynamo Dresden (happy hopping)

Nachdem unser eigentlicher Plan, Fortuna gegen Rostock zu besuchen, aus bekannten Gründen schon Wochen vorher ins Wasser fiel, entschieden Jimmy aka der Busfahrer und ich uns an irgendeinem Oktoberabend mit Bierdose inner Linken und Sportlerzigarette inner Rechten doch endlich mal nach Düsseldorf zu fahren um uns das Spiel, immerhin Freitagabend und Flutlicht, in der Arena da mal reinzuziehen.

Werders Spielplan lud ein und erstaunlicherweise gelang es Jimmy noch irgendwie eine Hand frei zu kriegen und die Karten online zu buchen. Da wir beide die Fortuna noch nie zu Hause gesehen hatten, Dresden vom Düsseldorfer Express dermaßen hochgeputscht wurde („Sicherheitsstufe Rot: Am Freitag kommen die Dynamo-Hools“) und 2000 Dresdener Fans ankündigte, steigerte sich am Tag zuvor so langsam aber sicher die Vorfreude auf den Besuch. Freitagvormittag gings dann los. Jimmy holte mich noch ab und per Mitfahrgelegenheit gings dann recht unspektakulär innen Pott rein bis ins Rheinland. Der Fahrer zeigte sich, sagen wir es mal so, sehr verhalten was uns eigentlich ganz recht war. Circa ab Höhe Porta Westfalica sollte sich das schlagartig ändern, da nun das Radio durch ne selbst zusammen gestellte CD des Fahrers ersetzt wurde. Bin immer noch fassungslos wie man sowas selbst zusammenstellen kann, beschallte doch fortan (und bis zum bitteren Ende) pausenlos die heftigste Disko/Soul/RnB Scheisse auf definitiv viel zu laut die Karre..naja.

Nachdem wir das irgendwie überstanden, kamen wir endlich am Düsseldorfer Hauptbahnhof an, wo wir erstmals so etwas wie Fussball Atmosphäre vorfanden. Sprich es war überfüllt, asozial und irgendwelche Kutten kippten sich beim Bahnhofsvorplatz einen rein. Schnell noch die Rucksäcke verstaut und ab in die Altstadt. Nach der langen Fahrt und der schrecklichen Musik musste ganz dringend erst mal ein Platz zum Entspannen her und sowas findet man an Bahnhöfen eben eher selten. Nach kurzer Suche entlang des Rheinufers konnten Jimmy und ich dann auch unsere unterschiedlichen Auffassungen von nem entspannten Plätzchen doch noch irgendwie auf einen Nenner bringen und irgendwann stellten wir schockiert fest, dass wir nur noch knapp ne Stunde bis zum Anpfiff hatten, um zum Stadion stadtauswärts zu gelangen. Aus irgendwie die Zeit überbrücken (waren ja schon seit 15 Uhr in der Stadt) wurde jetzt Hektik. Irgendwie typisch. Also ab in die nächste U-Bahn in Richtung Stadion. Angekommen in der Bahn dann Horror- Szenarien. Wir blieben minutenlang in irgendwelchen unterirdischen Schächten stecken, weil irgendwas vor uns nicht richtig lief. Neustadt Rübenberge2.0! Und das wiederholte sich nach fast jeder Station aufs Neue. Die Kutten irgendwann in Höchstform, drehten richtig frei, Rheinbahn du Arschloch! Für die Viertelstunde Fahrt brauchten wir so mehr als vierzig Minuten. Am Stadion dann aufs Intro geschissen und noch mal ab in „Park“ rein…nach der Fahrt mussten die Nerven erstmal wieder beruhigt werden. Das gelang und nun folgte der beste Einlass den ich je gesehen hab. Aus Mitleid wegen der eben erwähnten Bahnfahrt ließ uns ein Ordner ohne Durchsuchung einfach so rein. So immer bitte!

Zack standen wir im Block 33-35, der ne gute Sicht auf das Treiben auf und abseits des Rasens zulässt. Hier war die Stimmung schon prächtig am Laufen. „Scheiss Dynamo“ auf der einen, „Schalalalaaa“ auf der anderen Seite. Olé! Hinter uns so n älterer Fortuna- Fanclub, vor uns Kutten und Meckeropas. Dynamo gegen die geschürten Erwartungen nur mit so ca. 1.200 Leuten vor Ort, die aber für die Anzahl vergleichsweise sehr ordentlich Ramtamtam machten. Hätte zwar bei so nem Spiel mit mehr gerechnet, aber war ja auch letztens erst Europapokal in Dortmund ne. Fortuna überzeugte mich jedoch auf ganzer Linie. Also ohne das Sportliche, das ist ja schrecklich was die sich in der Zweiten da zusammenkicken. Stimmung aber erstklassig. Von der frühen Führung getragen, zog zeitweise das ganze Stadion mit oder stieg in die Gesänge ein. War schon sehr laut teilweise und viel Action in der „Support- Area“ rund um UD. Sehr sympathisch alles. Das Bekenntnis per Spruchband von UD zu ihrem Döner war auch ganz lustig. Dresden teilte wiederum in Anspielung auf ihren Europapokalauftritt in Dortmund mit, dass Laserpointen doch kein Verbrechen sei. Stimmungstechnisch überzeugten uns beide Seiten, wobei Düsseldorf im Gegensatz zu Dresden die Erwartungen noch toppen konnte. Fortuna gewann in der letzten Minute dramatisch aber mMn. hochverdient und per Traumtor das Spiel. Nun waren alle Dämme gebrochen. Ekstase, Bierdusche überall und wir mittendrin. Selbst die Meckeropas vor uns konnten nun doch noch lachen und alle wollten mit uns abklatschen. Haben uns aber auch mitgefreut. Jetzt folgte „Humba Humba täterää“ und schnell das Weite gesucht.

Jimmy konnte sein Versprechen, noch eine von den verteilten Fortuna- Sponsorenfähnchen mit nach Hause zu bringen letztendlich nicht halten und aufem Rückweg zum Bahnhof erlebten wir dann Neustadt Rübenberge 3.0. Unfassbar, dass die das da nichts auffe Reihe bekommen haben. Szenen wie auf dem Hinweg, nur diesmal glücklicherweise überirdisch, was uns dazu veranlasste fix mal eben die Tür per Notsystem zu öffnen und den Weg zu Fuß weiterfortzusetzen. Darin ist man ja mittlerweile geübt und alles war in dem Moment besser als neben den völlig außer sich geratenen Kutten „Die Fortunaa, is mein Verein“ in der vollgestopften Bahn zu verharren. Über Umwege gelangten wir nun nach Köln, wo wir uns bei nem Kumpel einquartierten. Noch kurz bei Gaffel einen reingeknallt, bis es Jimmy zu viel wurde. „Ich muss hier jetzt sofort raus!“ Mucke war aber auch krass da. Noch schnell einen am Rheinufer gedreht und dann mussten wir kurz darauf mitansehen wie sich irgendne Person in der Altstadt für Geld auszog. Heftig was da alles so rumlief. Haben dann auch schnell das Weite gesucht, unser Zustand war auch schon alles andere als feierlich und so fiel man dann völlig verballert irgendwann in Köln- Mülheim auch ins Bett. Nach kurzer Alptraumnacht wurd ich dann am nächsten Morgen erstmal von Jimmy konfrontiert, ihm die gemeinsame Decke doch eiskalt während der Nacht abgezogen zu haben. „Jetzt musste ich meinen Parka nehmen“ oder so ähnlich hörte sich das an. Aber mir war alles egal, mein Glanzauftritt sollte noch folgen…

Um wieder nach Bremen zum Spiel zu gelangen, hatten wir wiederum ner Mitfahrgelegenheit zugesagt, gegen halb 8 irgendwo in Köln aufm Parkplatz zu stehen. Nicht dass das schon Herausforderung genug gewesen wäre bei unserm Zustand. Mitten aufm Wiener Platz erleichterte sich nun auch noch mein Magen vollkommen ohne Vorwarnung und dass am frühen Morgen. „Hurra Hurra, die Bremer die sind da!“ Krass asozialer Auftritt auf jeden Fall und zum Glück hab ich die umliegenden Blicke nicht mehr mitkriegen müssen in dem Moment und wohn in ner anderen Stadt. Natürlich auch super Bedingungen für die anschließende Fahrt, aber irgendwie schafften wir es ohne weitere Vorkommnisse in Bremen anzukommen, indem wir bis Wildeshausen durchpennten. Fazit: Fortuna heim lohnt auf jeden Fall, ne Tour mit Jimmy sowieso und Hoppen ab jetzt immer wieder gerne.

Achja…Köln am Samstag auch noch weggemacht und ein rundum gelungenes Fussball Wochenende gehabt.

Establishment springt auf

Widerstand gegen Gentrifizierung
„Jeans kann man nicht essen“

Von Alexander Nieschwietz für tagesschau.de

Das Drama trägt den Titel „Gentrifizierung“, es verläuft immer gleich – und es kommt in fast jeder deutschen Großstadt zur Aufführung. Akt 1: Ein Stadtviertel, das verhältnismäßig heruntergekommen ist, bietet günstige Mieten und wird von sogenannten Pionieren entdeckt: Studenten und Künstler. Die haben zwar kaum Geld, aber dafür sind sie in eine Subkultur eingebunden – und die bringen sie mit. Akt 2: Die „Pioniere“ machen das Viertel lebendig: Es entstehen Kneipen, Bars, schummrige Kellerclubs. Akt 3: Das Viertel ist so attraktiv geworden, dass es in Reiseführern als das „In-Viertel“ der Stadt gilt. Touristen kommen zum Feiern, an Wochenenden pilgern (meist) junge Menschen ins Viertel.

Akt 4: Jetzt lohnt es sich für Immobilienunternehmen zu investieren. Sie kaufen ganze Straßenzüge und fangen an, die heruntergekommenen Häuser zu sanieren. Danach erhöhen sie die Mieten mittelfristig saftig. Akt 5: Die „Pioniere“ und die alteingesessenen Bewohner können sich die Wohnungen irgendwann nicht mehr leisten und müssen ausziehen. Sozialwissenschaftler befürchten: Im schlimmsten Fall bleibt ein „ballermannisiertes Reichen-Ghetto“ übrig. Herzlich Willkommen in Berlin-Prenzlauer Berg, Köln-Ehrenfeld oder im Hamburger Schanzenviertel.
Was bedeutet eigentlich Gentrifizierung?
Gentrifizierung ist ein Fachbegriff aus der Stadtgeographie, der den sozialen Wandel eines Stadtteils durch Maßnahmen wie Restaurierungen und andere gezielte Aufwertungen von Stadtvierteln beschreibt. In dessen Folge wird die ursprüngliche Wohnbevölkerung aufgrund steigender Mieten aus diesen Vierteln verdrängt. Der Begriff geht auf den englischen Landadel zurück. Die „Gentry“ zogen im 18. Jahrhundert vermehrt von ihren Landsitzen in die Städte und veränderten dadurch das soziale Gefüge.

weiterlesen:

http://www.tagesschau.de/inland/gentrifizierung100.html