Archiv der Kategorie 'Sport'

Unser Sozi ist ’ne Wucht!

So oder so ähnlich dürften die „unpolitischen“ und „rechtsoffenen“ Ultras der Dortmunder Desperados gedacht haben, als sie einen kürzlich gesendeten TV-Beitrag gesehen haben, in dem einer der Mitarbeiter*innen des Dortmunder Fanprojekts die Tätigkeiten der Desperados verharmlost. Er lobt sie sogar noch für ihre „integrative Arbeit“. Wer da auf welche Weise „selbstregulierend“ und ausgestattet mit „Demokratieverständnis“ vorgeht, ist in den letzten Monaten und Jahren mehr als ausreichend dokumentiert worden. Die Überschneidungen mit der lokalen Naziszene und die gewählten Aktionsformen der Desperados sind eindeutig.

Sowas geht dann nicht mehr als wohlwollender Kommentar, akzeptierende Jugendarbeit und/ oder als Versuch eines Sozialarbeiters, einen guten Draht zum eigenen Klientel aufbauen zu wollen, durch. Sowas nennt man Brett vor‘m Kopf. Ein Paradebeispiel, wie man als Fanprojekt nicht arbeiten sollte. Wen wundert es da, dass der Verein ebenfalls wenig konsequent auf die anhaltenden Probleme reagiert?

Dass sich die Desperados zusätzlich in Form der oben genannten Statements selber demaskieren und ein Mitglied von The Unity was von Problemen „in einem Maße, wie es sie in ganz Deutschland gibt“ faselt – geschenkt. Alles nicht neu, alles schonmal gehört.

Das aberwitzige Fazit des Berichts, „die Dortmunder Fanclubs müssten sich nur noch besser gegen Nazis wehren“, setzt dem ganzen die Krone auf und könnte ebenso gut aus den Reihen der Brett-vor-dem-Kopf-Träger*innen formuliert worden sein.

Ultras Hannover, Sektion Gaza

Drei Bilder, die eine deutliche Sprache sprechen. Zwischen den ersten beiden und dem letzten liegt ein Zeitraum von fast sechs Jahren. Entstanden sind diese Motive in irgendwelchen Blitzbirnen, die sich in Kreisen der Ultras aus Hannover aufhalten. Es bedarf nicht einmal der von Antisemit*innen vielzitierten „Antisemitismus-Keule“ (auch wenn sich diese im Gesicht der Ersteller*innen wohlfühlen würde), um dieses Handeln eindeutig zu benennen.

Das aktuellste der drei Bilder ist vor gut einer Woche in Magdeburg gemacht worden, als die Amateure von Hannover 96 dort gastierten. Die H-Amas, gesprochen Hamas, wie sie bereits seit mehreren Jahren liebevoll von ihren Fans genannt werden. Wer, wie hier bei den Hannover-Fans durch eine Zaunfahne im Fanblock geschehen, einen positiven Bezug zu einer islamfaschistischen Terrororganisation herstellt, hat nicht mehr alle Latten am Zaun.

Anfänglich wurde der offensichtliche Antisemitismus abgestritten – bis hin zu Versuchen, das eigene Tun als Provokation Jugendlicher, die „Grenzen austesten“ wollen, zu bewerten. Ein paar Stimmen aus dem Umfeld der Ultras aus Hannover distanzierten sich schon vor Jahren auf halbherzige Art und Weise. Erwartungsgemäß ohne Wirkung.

Festzuhalten bleibt, dass sowas weder eine Lapalie, noch durch irgendwas zu relativieren ist. Ausmaße wie bei Legia Warschau sind zwar noch nicht erreicht, aber ideologisch steht man offensichtlich so nah beieinander, dass man sich fast gegenseitig auf die Füße tritt.

Antisemitismus ist immer noch gesellschaftsfähig und somit auch im Mikrokosmos Fußballstadion präsent, das ist keine neue Feststellung. Diesen öffentlich zu machen, wenn er in Erscheinung tritt, ist notwendig. Wenn dann sogar über einen längeren Zeitraum so unverhohlen zur Schau gestellt wird, dass man Jüd*innen hasst, muss das Kind erst recht beim Namen genannt werden.
Ich bin eher selten ein Freund von Sanktionen, aber wenn Mechanismen wie Einlasskontrollen oder (im besten Falle) Selbstregulierung nicht funktionieren, darf auch gerne mal von höherer Stelle durchgegriffen werden.

gute sache

aktion libero

aktion libero

Alles Fotzen außer Nürnberg

Endergebnis 1:1. Aber darum soll es hier gar nicht gehen. Ihr habt lange warten müssen – jetzt gibt’s endlich mal Bashing.

Schon immer unsympathisch – spätestens seit den nicht gewollten Einblicken durch das Meisterwerk „Gate 8“ – haben es die Ultras aus Nürnberg geschafft, kontinuierlich Kopfschütteln bei mir hervorzurufen. Immer dann, wenn ich mit ihnen in Kontakt komme. Was unglücklicherweise nicht immer zu verhindern ist. Gedanken daran, dass eine Abspaltung mit Fortschritt innerhalb der Szene in Nürnberg verbunden ist und somit mein Kopfschüttel-Problem dauerhaft behoben werden könnte, habe ich mir schnell abgeschminkt.

Dieses Foto aus der Nordkurve steht sinnbildlich für so vieles. Und dabei geht es mir in erster Linie noch nicht einmal um die optische Körperverletzung (Lookism-Diskussion bitte in der Kommentarspalte :) ).

Grundsätzlich kann ich die „Freiheit für Ultras“ und alle ähnlich gearteten Spruchbänder nicht mehr sehen. Diese (fan-)politische Forderung ist nicht nur so sehr ausgelutscht, dass man sie nicht mehr wahrnimmt, nein, meistens wird diese Plattitüde noch von Gruppen in den Raum geworfen, die, gelinde gesagt, unreflektiert agieren. Wem es gefällt, „Gegner_innen“, die keine sein wollen, zu demütigen, einzuschüchtern, zu verletzen und darüber hinaus weitere Personen, die einfach nur mal schnell ihren Hunger im Fastfood-Restaurant stillen wollen und nicht mit einem ausbrechenden Fußball-Krieg rechnen, zu traumatisieren, dem unterstelle ich nicht nur einen Gewaltfetisch – sowas fällt ohne Diskussion in die Kategorie menschenfeindlich. Dann solche Mimimi-Spruchbänder zu lesen (auch wenn kein direkter Zusammenhang besteht) macht mich sprachlos. Man sieht doch, was passiert, wenn man den Fordernden die Freiheiten lässt. Nö, danke. Da werde ich zur CSU. Wahlweise zum USK.
Klar, noch ein „A.C.A.B.“ hinten dran, der Klassiker, muss halt sein. Es ist ein Leichtes zu erraten, wer am liebsten für Recht und Ordnung auf den Straßen sorgen würde.

Passend zur Gewaltaffinität und eng damit verstrickt: Der hier scheinbar grenzenlos existierende Männlichkeitskult. Dem kommt man aber tatsächlich auch ohne großes Hintergrundwissen und Recherchieren auf die Spur – um zur eingangs erwähnten optischen Körperverletzung zurückzukommen. 90 Minuten Biertitten-Choreo macht man nicht, weil es zu warm ist. Und nein, das war auch kein homoerotisches Massenerlebnis. Das Vorzeigen eurer Männlichkeit beim Männersport Fußball – das war der Beweggrund. Und ich weiß ehrlich nicht, ob ich traurig darüber sein soll, kaum Frauen auf dem Bild erkennen zu können. Oder froh, dass keine Frau das ertragen muss.

Da sind mir sogar echte bajuwarische Weißwürste lieber.

Willkommen zurück!

Stadionverbote aller Ultras in Bremen ausgesetzt!

Der dazugehörige Text von RV.

ein samstag im jahr 2011

ein schöner tag, ein tolles spiel, scheiß auf die abwehrfehler (wen interessieren die, in diesem augenblick?), selbst die stimmung in der ost hat mir heute weitesgehend gefallen, obwohl ich sonst immer ein ganzes büschel an haaren in der suppe finde. um mich herum einfach nur zufriedene gesichter. tim wiese bewegt sicht in richtung kurve und bekommt das megaphon: „gebt mir ein…“ und auf einen schlag war diese zufriedenheit verschwunden. und mal ehrlich, selbst im absoluten vollrausch, arm in arm mit marco bode und uli borowka würde mir keine humba mehr über die lippen kommen. zu sehr verkörpert dieses „lied“ für mich die unkreative, konsumierende masse und da ist es mir dann auch relativ egal, wie die aussenwirkung ist. ich lasse mich nicht zwangsverpflichten und ich bin froh, das ich da anscheinend nicht alleine bin.

ein sonn(en)tag…

gutes wetter und die aussicht auf gute auftritte der gästefans sind wohl, neben dem netten beisammen sein, die einzigen gründe, welche mich auf platz 11 zu den amateuren bewegen. mit preussen münster und sonnenschein waren die vorraussetzungen also erfüllt und ein gemütlicher haufen inklusive gästen machte sich auf, karten abgeholt, stadion betreten und das erwartete bild bot siche einem auch, deviants und „die anderen“ preussen standen sich in der langezogenen gästekurve gegenüber. leider standen die deviants auf unserer seite, so das einiges an optischen und auch an lautstärke verloren ging. mag auch ein grund gewesen sein, warum mir das nicht so wirklich gefallen hat. ich mag melodische leider, gerne auch langsam gesungen, aber oftmals wirken diese entweder nur im bus oder wenn mehrere tausend menschen sie im stadion singen, sonst fehlt ihnen, für mein empfinden, einfach die wirkung. dementsprechend wirkte das alles ein wenig gehemnt, auch wenn der wille wohl durchaus da war. auf bremer seite präsentierte man pommes, kaffee und cola und hielt sich ansonsten nicht mit unnötigem singsang auf.
das spiel selber war einfach scheiße, sandro wagner kläglich und auch sonst wollte keiner wirklich auffallen. die abwehr stand einigermaßen, wurde von preussen aber auch nicht wirklich gefordert. letztlich geht das 0zu0 absolut in ordnung und der bremer nachwuchs konnte somit seinen 2. punkt am 6. spieltagt einfahren.
und während nach dem spiel wohl noch einige personen ihren „humba“-rausch vom vortag verarbeiteten, präsentierte sich das cda von seiner fantechnisch polygamen seite und schlenderte im buntgemischten haufen am deich richtung sonnenuntergang.

der staat erklärt…

Auch dies ist ein Indiz dafür, dass sich Teile der deutschen Ultraszenen ihren erklärten Vorbildern in Italien immer mehr annähern, die durch organisiertes Auftreten gegenüber den Stadioneignern, den -betreibern, den Vereinen, dem Verband und auch Teilen der lokalen Politik den „Druck der Straße“ erhöht, um sich mehr oder weniger rechtsfreie Räume zu schaffen.

nur ein kleiner auszug aus dem aktuellen bericht der zentralen informationsstelle sporteinsätze.

einen kleinen vergleich stellte auch magischer fc an.

dienstag abend: champions league!

kurzfristig angesetzter test, kurzfristig entschlossene reisegruppe. zu dritt machte man sich also auf zum bahnhof. welch brisanz in diesem spiel stecken sollte, wurde uns dort dann eindrucksvoll bewiesen, kriegten wir doch gleich mal zwei skbs zur seite gestellt. natürlich ließen wir uns davon nicht abschrecken und vorbei am kulturbahnhof sprötze, ging es auf nach hamburg. auf sankt pauli noch kurz einen braunweißen weggefährten eingesammelt und für faire 5 euro karten gekauft. da wir grundsätzlich zur faulen sorte gehören, ersparten wir uns den weiten weg rund ums stadion und ließen uns gleich auf der süd nieder. also hoch die treppen, einen gemütlichen sitzplatz gesucht und wieder einmal festgestellt, das ich, so langsam aber sicher, ein freund, des fussball im „halbsitzen“ werde. optimale sicht aufs spielfeld und auch von der akustik her (soweit man das bei so einem kick beurteilen kann) angenehm. das stadion füllte sich überraschend gut und im endeffekt fanden rund 7300 zuschauer ihren weg, darunter in etwa 1000 – 1500 bremer. für einen spontanes spiel am dienstag eine recht ordentliche zahl. support gab es auf beiden seiten nicht wirklich und so begnügte sich auch unser gemischter haufen mit fussball gucken und gelegentlichen raucheinlagen. das spiel bot das, was man sich vorher erwartet hatte, nen lauschiger kick mit schönen kombinationen, ein paar toren, aber ohne (unnötige) härte. arnautovic mit einer wunderbaren direktabnahme, naldo mit gelungenem comeback und ignjovski mit seinen ersten minuten (in der ersten halbzeit mit einigen guten aktionen) für werder, sind wohl die zu erwähnenden höhepunkte. werder in der ersten halbzeit überlegen, in der zweiten eher ein wenig runtergefahren. sankt pauli ebenfalls mit ner ansehbaren leistung und zumindest im testspiel gab es mal wieder stürmertore. beide seiten haben fröhlich und fleißig durchgewechselt, so das man sich die ein oder andere variation anschauen konnte.
nach dem spiel ging es für uns erstmal ins raval, gemütlich seitan-currywurst essen und ein wenig palavern, bevor wir uns noch die neue wohnung unserer hamburger begleitung anschauten. leider hat unsere lieblingsbahngesellschaft, den letzten zug doch recht frühzeitig angesetzt und so waren wir dann auch schon um kurz nach mitternacht wieder in bremen.
einen lieben gruß an unseren „gastgeber“, spontane ideen sind doch immer wieder gut!

Pirmasens reloaded

Besser spät als nie…

Endlich da. Heidenheim an der Inzest. Zehn volle Stunden hab ich gebraucht, um dann auf urban-großkotzige Art und Weise aus dem Bus zu stolpern. Hurra, hurra – na sicher – die Bremer die sind da. Gleich wieder in den Bus zu steigen und zurückzufahren wäre wohl die beste Variante gewesen, aber wer konnte das denn schon vorher wissen…

Das Stadionumfeld – reine Idylle. Am Wald gelegen, ein Gebäude des Forstamts mit Hirschgeweih an der Fassade plus Tiergehege, quasi direkt hinterm Gästeblock. Irgendwie muckelig, irgendwie deutsch.

Am Einlass war es dann aber schnell vorbei mit der Gemütlichkeit, meine (deutsche!) Banane durfte ich mit dem Hinweis, dass diese als Wurfgeschoß benutzt werden könnte, nicht mitnehmen. Dafür gab es PET-Flaschen im Stadion zu kaufen. Fies. Wenigstens musste ich keine Imperialisten-Brause saufen, nein, es gab Gutmenschen-Lifestyle-Cola für den aufgeklärt-linken Ultra mit gutem Gewissen.

Für das innere des Stadions konnte ich mich begeistern, kleine Tribüne, flaches Dach, nicht alles einheitlich, nicht steril. Steh ich drauf. Gegenüber von uns die Heimkurve mit den Fanatico Boys, die eine Choreo zu Beginn hinlegten und sich dann mit ihrem Stimmungskern abmühten. War nicht viel, aber auch nicht viel weniger als in den letzten beiden Erstrunden in den Heimkurven von Köpenick und Ahlen.

Wahres Highlight war noch der Bärenmarke-Bär, der sich scheinbar `ne Mark als Maskottchen in Heidenheim dazuverdient. Meine erste Assoziation war dieser Brüller aus meiner Kindheit. Zum Ghostbusters-Theme legte der Bär eine flotte Sohle auf den Rasen, immer schön winkend, immer schön grinsend. Ständig wechselnd auf einer Skala von niedlich bis grenzdebil.

Dann das Spiel, die erste Halbzeit war der Block ultrig aufgelegt, nach der Pause entwickelte sich das Geschehen im Gästeblock parallel zur Mannschaftsleistung.

Dankenswerterweise dann auch schon die Rückfahrt.

Später sickerte noch die Info in den Bus, dass sich eine skorbutaffine Gruppe von Freitag auf Samstag Nacht weniger mit Ruhm, dafür aber umso mehr mit ABC-Löschpulver im Umlauf des Weser-Stadions bekleckert hatte. Chaos-Drogen-Antifa wusste natürlich schon lange im Vorfeld von der geplanten Aktion, blieb aber untätig – Fußball interessiert uns nicht.

Fazit des Tages: Heute ist Mittwoch. Morgen hoffentlich auch.